Buen Camino! 19 – Wo ist Jeannie?

Santa Marta –> Rionegro del Puente. 28 km. 6. April

Heute frühstücken wir gemeinsam. Wieder was neues. Aber dann geht Giacomo voraus, John und ich folgen gemeinsam. Fast nicht zu glauben ist, daß die Landschaft heute morgen schon wieder neue Facetten bietet, die es bisher nicht gab. Ich weiß nicht, wieviel davon dem frühen Morgenlicht zuzuschreiben ist. Auf jeden Fall strahlt die Sonne und die Gegend sieht fantastisch aus. Sehr mystisch! Trotz des frühen Frühlings und der fehlenden Vegetation. Und ich kann wieder nicht an mir halten und zücke meine Kamera.

Von daher renne ich meinem Pilgerpartner dauernd nach, um wieder aufzuholen 🙂 Es dauert zunächst eine Weile, bis wir warm miteinander werden. Doch bald wird es umso lustiger mit ihm. Ich versuche die ganze Zeit, die schmerzende Blase am Fuß irgendwie einzulaufen. Aber irgendwann muß ich akzeptieren, dass der Schmerz einfach bleibt. Egal, was ich tue. Weiterlesen

Buen Camino! 18 – Could not stop

Tábara –> Santa Marta de Tera. 23 km. 5. April

Als ich erwache ist es 3 Uhr. Mitten in der Nacht. Nach einigen Versuchen erkenne ich, daß es vorbei ist mit dem Schlafen. Also eine Beschäftigung finden. Irgendwie komme ich auf die Idee, unser aller Vornamen zu checken. Da sind John, Jens, José und Giacomo. Seltsame Fügung finde ich. Und siehe da, Giacomo ist auf Deutsch Jakob. Also saß viermal J am selben Tisch am Jakobsweg einschließlich ihm selbst 😉 . Dann geht’s weiter. Jens ist auf Spanisch Juan und auf Englisch John. Ist ja crazy! Denke ich… Irgendwann ist die Nacht vorbei, ich habe es geschafft. Heute will ich eigentlich bleiben, habe ja ein Zimmer im Hotel reserviert. Also verabschiede ich die beiden und wünsche ihnen „buen camino!“. Aber als alle weg sind, merke ich, ich kann nicht bleiben. Ja, die Blase am Fuß schmerzt gewaltig, aber mein Körper fühlt sich toll an. Warum soll ich jetzt hier bleiben? Also los! Meinen Fuß versorge ich nach bestem Wissen und dann hau ich rein. Buen camino! Yeah. Scheiß auf die Reservierung, ich bin unterwegs! Da ist Adrenalin pur in mir. Voller Freude bin ich unterwegs. Dass ich heute weiter will und auch kann grenzt für mich an ein Wunder. Weiterlesen

Buen Camino! 17 – Transition

Granja –> Tábara. 26 km – 4. April

Aufbruch nach halber Nacht. Brauchte lange, um einzuschlafen. Außerdem hatte ich „Rücken“. Beim Frühstück sehe ich die Deutsche wieder. Sie heißt übrigens Anne. Und ist auch nicht das erste Mal auf nem Camino. An der Weggabelung trennen sich unsere Wege. Sie nach Astorga, ich nach Ourense. War doch klar, oder?

Die heutige Etappe könnte spannend werden, denn die Strecke führt teils am Wasser entlang. Aber erstmal durchs kalte Land. Als ich um eine Ecke biege, stehe ich plötzlich vor einer Herde Schafe. Die erschrecken sich genauso wie ich und lassen mich nicht mehr aus den Augen. Die ganze Herde dreht sich mit mir mit, während ich vorbeigehe.

Dann öffnet sich das Hoftor und ein alter Mann schreit Weiterlesen

Buen Camino! 16 – Begegnungen

Montamarta –> Granja de Moreruela. 24 km – 3. April

So viele Geräusche wie in dieser Nacht, von den Menschen um mich herum, hatte ich selten oder noch gar nicht. Von schnarchen, drehen, furzen, träumen, klopfen, reden, klappern, rascheln, schlurfen, packen war so gut wie alles dabei. Aweful. Very! Ich stehe erst auf, als alle weg sind. Habe es nicht eilig. Entsprechend hoch steht die Sonne schon, als ich nach draußen ins Kalte trete. Heutiges Ziel? Unbekannt… Die Ruine am Ortsende ist ein Augenschmaus. Und seltsam zugleich. Die wärmende Sonne scheint mit dem aufkommenden, eiskalten Wind ein Rennen zu gestalten. Beide gewinnen 🙂 und ich hole meine wollene Mütze raus.

Die Landschaft ist okay, meine Laune auch. Einfach mal wandern! Denke ich. Gar nicht so einfach nach den turbulenten Tagen, die gerade hinter mir liegen. Merke ich. Irgendwas ist immer los an jedem neuen Tag. Heute begleitet mich ein Flugzeug am Himmel, den ganzen Tag taucht es immer wieder auf.

Nach meiner Frühstückspause, der ich ein paar Yoga-Dehnübungen folgen lasse, steht plötzlich jemand hinter mir. Ich hatte eine Person schon von weitem kommen sehen, aber mit jemand ganz anderem gerechnet. Als hinter mir das Klicken einer Kamera zu hören ist und ich mich umdrehe, steht „es“ vor mir. Weiterlesen

Bom Caminho Portugués 3

‚Einkehr‘ war das Stichwort meines letzten Blogartikels und das soll´s noch nicht gewesen sein, denn natürlich sollt ihr noch erfahren, wie sich die letzten Etappen auf dem Weg bis nach Santiago de Compostela für Katja und mich anfühlten und ob wir „pünktlich“ an Karfreitag ankamen.

Einkehr hielten wir auf unserem Jakobsweg noch in Pontevedra, einer imposanten Provinzhauptstadt an der Mündung des Flusses Lerez. Die Schutzpatronin der Stadt ist Weiterlesen

Buen Camino! 15 – Weiter

Zamora –> Montamarta – Sonntag, 2. April

Nein. Kein Bleiben in Zamora. Nichts wie weg hier…

Als ich gestern Abend in die Stadt ging, um etwas zu essen zu finden, wurde ich schwer enttäuscht. Ich war zur falschen Zeit im falschen Ort. Samstagabend war die „Fuzo“ voller flanierender Menschen. Nach dem Tag der einsamen Wanderung in diesem Schmelztiegel zu landen war ganz schrecklich für mich. All die Leute um mich herum, das hab ich nicht gut ausgehalten. Hab mir im Supermarkt schnell was gekauft und in der Albergue gegessen. Dass die Zimmerpreise in dieser Stadt über alle Maßen teuer sind, paßt mir gut. Hier bleib ich nicht. Gute Nacht!

… Heute Morgen erklingen chorale Klänge. Es ist 7 Uhr. Weckzeit. Aufstehen. Frühstück ist zubereitet worden durch den Herbergsvater. Aber als ich am langen Tisch mit fremden Pilgern sitze, Weiterlesen

Buen Camino! 14 – New Power – Teil 2

Villanueva –> Zamora – 1. April

Nach der Pause in der Bar von Villanueva und einer kleinen Tagesplatte mit Dreierlei (Queso, Jamon, Chorizo – wie immer) die mich gut sättigt, geht´s weiter. Wie immer. Ich spüre zwar eine leichte Müdigkeit nach der kurzen Nacht, vertraue aber darauf, daß ich unterwegs ein Plätzchen zum Nickern finden werde. Beim Raustreten ins Freie erblicke ich als erstes ein Storchennest. Die sehe ich hier überall. Schön. 🙂  Gut gelaunt ziehe ich meines Weges. Und bin auch schnell wieder mitten in der Einöde. Aber bei herrlichem Wetter.

Die Sonne strahlt, doch ein kühler Wind sorgt dafür, daß es nicht warm wird. An einem einsamen Feld steht ein Auto und ich sehe einen Bauern, den Blick auf den Boden gerichtet. Weiterlesen

Buen Camino! 14 – New Power – Teil I

El Cubo –> Villanueva de Campeán – 1. April

Nachdem ich mich bis nachts um 2 Uhr hitzig geschrieben habe, wache ich bereits um 6 Uhr in der Frühe auf. Unglaublich, was man schon morgens alles spüren kann. Als ich den Weißkohl von meinem Fuß entferne, merke ich, daß die Entzündung nach 3 Tagen endgültig geheilt ist. Vielen Dank an Dagmar und an Torsten für diesen wertvollen Tipp!!! (Weißkohl zieht die Entzündung aus dem Körper, einfach ein Blatt über Nacht auflegen). Ich bin so voller Power, dass ich mutig bin und einfach losziehe. Was meint denn mutig? Na ohne große Vorbereitung, ohne neuen Weiterlesen

Bom Caminho Portugués 2

Seit meinem letzten Artikel aus Portugal bin ich schon 5Tage weitergewandert und auf dem Caminho Portugués bereits weit ins autonome Galicien, en Espania, hineingelaufen…

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Galicien ist eine waldreiche, hügelige Region mit vielen Flüssen, die Richtung Atlantik fließen und den meisten verzeichneten Regentagen Spaniens. In den Küstenregionen sorgt das feuchte Klima häufig für Assoziationen mit Irland oder der Bretagne.

Umso erstaunlicher, dass wir zu den glücklichen Pilgern gehören, die bei herrlich sonnigem Frühlingswetter durch die Lande stapfen und mit weitem Visier die Landschaft genießen können. Was wir gern und dankend annehmen 🙂

Noch vor Überqueren der schwindelerregend hohen Grenzbrücke von Portugal nach Spanien treffe ich Katja, wie verabredet, in der Altstadt von Valenca wieder. Die touristische Atmosphäre ermuntert uns beide nicht zu einer längeren Pause im Ort, aber ein letzter Kaffee in Portugal und ein würdiges Good Bye an dieses wunderbare Land sind natürlich Herzensangelegenheit. Ein toller letzter Stempel aus Portugal im Pilgerpaß inklusive :-).

Dann schultern wir die Rucksäcke und suchen den Ausgang aus den dicken Stadtmauern, um den Jakobsweg wieder aufzunehmen. Die 3 km bis nach Tui in Spanien haben wir uns gleichzeitig als „Testlauf“ vorgenommen, um Katja wieder ans „Laufen zu kriegen“ und über die morgige Etappe zu entscheiden.

Es ist wirklich erhebend, in dieser Höhe zu Fuß in ein anderes Land zu wandern. Tolles Gefühl, eben noch Portugal, jetzt schon in Spanien! Was bleibt, ist Europa 😉

Tatsächlich ändert sich hinter der Grenzbrücke von Valenca nach Tui doch so Einiges.

Zunächst einmal die Sprache und die Mentalität. Da ist „er“ wieder, der stolze Spanier (und der Galicier steht ihm in nichts nach), der nicht vordergründig durch Freundlichkeit besticht und auch nicht dadurch, einer Fremdsprache Beachtung zu schenken, also vergessen wir am besten jeden Versuch (Ausnahmen bestätigen die Regel!), auf Englisch zu kommunizieren. Manchmal kommen wir nur mit Katjas herausragenden Italienischkenntnissen weiter, da ich zugegebenermaßen meine Spanisch-Hausaufgaben nicht gemacht habe… 😦 Selbst schuld also, grrrh!

Aber auch die Orte und Landschaften verändern sich. Portugal kam bisher lieblicher daher; wie eingangs beschrieben, wird es nun etwas anspruchsvoller mit den Hügeln. Mir fällt auf, dass es von jetzt an aber auch religiöser scheint. Viele imposante Steinkreuze säumen unseren Weg, außerdem zahlreiche Heiligenbilder an Wohnhäusern und Straßenschildern und das lässt mich den Jakobsweg bedeutsamer empfinden.

Bei unseren auf Tui folgenden Etappen machen wir Halt in O Porrino, Redondela und Pontevedra und bestaunen riesige Kirchen, Basiliken und Kathedralen, geöffnete Türen bleiben jedoch leider eine Seltenheit, was uns auf der gesamten Wegstrecke rätselhaft bleibt. Schließlich laufen wir doch auf dem Jakobsweg, hm, seltsam.

Camino Portugués

Aber zurück nach Tui und zu den besonderen Gastgeberinnen, die uns nur wenige Meter neben der beeindruckenden Kathedrale empfangen. Sie verdienen definitiv einen Extraeintrag, die Mädels von Ideas Peregrinas, die erst vor einigen Wochen ihr kreatives Pilgerhostel eröffneten, allerdings am selben Standort schon länger ein beliebtes Pilgercafé betreiben. Einfach an alles gedacht, Glückwunsch! Und Danke an Tanja, eine erfahrene, hessische Pilgerin, die uns diesen freundschaftlichen Tipp gab (und noch eine ganze Reihe mehr davon!)

Wir haben uns in Portugal im Casa Fernanda kennengelernt, noch so eine besondere Herberge, inkl. Familienanschluss, Haustieren und Kulturprogramm! Aber da ich ja vordergründig über den Weg und nicht die Unterkünfte schreiben möchte, erwähne ich dieses „Event“ nur kurz am Rande (der Abend dort verdient eigentlich einen ganzen Artikel… Geht selbst hin, wenn ihr mal pilgert, ihr werdet es nicht bereuen!)

Die Peregrinas sind es dann auch, die für Katja in den späten Abendstunden noch einen Termin bei einem Physiotherapeuten ergattern, denn wie sich gezeigt hat, ist das Abrollen ihres Fußes noch immer schmerzhaft. Aber dann kommt Diego, es geht eben nichts über einen guten „Handwerker“ 🙂 ER weiß schnell, was da im Gelenk blockiert ist, sagt 3 mal relaaax, relaaax, relaaax und schwupp, ist das Sprungbein aus seiner Starre gelöst! Was für eine Erleichterung für Katja nach den zermürbenden Tagen und natürlich auch für mich, denn ab morgen wagen wir wieder eine gemeinsame Strecke und es freut sich zu Zweit nun mal einfach doppelt so schön.

Katja behauptet von nun an, dass sie Gott schon begegnet ist ;-))) Aber neue, leichtere Schuhe sind inzw. auch am Start…

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Wir wandern von nun an über viele römische Steinbrücken, ich fühle etwas zutiefst Bewunderndes für diese schlichte, stabile, puristische Bauweise und schreite stolz mit meinem Wanderstock hinüber, Fluß um Fluß!

Auch das Essen verändert sich, plötzlich Tapas und Bocadillos überall im Land, egal wo wir einkehren. Für uns Angelsachsen bleibt es halt unvorstellbar, dass alle Restaurants dasselbe anbieten und alle Bäcker scheinbar dasselbe Weißbrot und denselben Kuchen backen, wo doch bei uns daheim nicht mal in einer Straße derselbe Brotteig gebacken wird und die Restaurants uns ständig mit ihrer kulinarischen Vielfalt locken. Aber hey, wir sind doch nicht auf Genussreise, sondern auf Pilgertour. Manchmal ist es gut, sich darauf zu besinnen und die Einfachheit willkommen zu heißen. Aber ich gebe zu, es war nicht jeden Tag gleich einfach für eine scheinbar verwöhnte Berliner Göre, die sich dies so manches Mal ins Bewusstsein rufen musste! Aber soviel Wandern an frischer Luft macht definitiv extra Appetit.

Ich schicke aber gern noch eine Empfehlung hinterher, denn der galicische Weißwein der Traube „Albarinho“ hat es uns wirklich angetan. Veeery tasty!!! Genauso wie der Café con leche everywhere…

 

 

Meinen Füßen geht’s immernoch gut, ich kann selbst kaum glauben, dass ich so unbeschadet durchkomme. Eventuell hat jahrelanges Step Aerobic genau die richtigen Muskeln trainiert? 😉 Besonders das Thema der Blasen an den Füßen haut sogar starke Männer aus der Bahn und kann extrem schmerzhaft sein, wie wir desöfteren unterwegs erfahren. Vielleicht haben wir uns die Kilometer intuitiv gut eingeteilt und somit auch ausreichend Regeneration an den Abenden. Unsere Zeit gestattet es uns, Strecken zw. 15 und 20km zu laufen. Wir begegnen aber vielen, die deutlich mehr am Tag zurücklegen. Irgendwas scheint jedenfalls richtig zu laufen auf dem ersten Camino, der hoffentlich nicht der letzte bleibt! Und manchmal unterwegs die Schuhe und Socken ausziehen tut sooo gut!

Der Frühling fängt plötzlich schon an, nach Sommer zu riechen. Es wird bis 27Grad warm an den Nachmittagen und wenn der Weg mal nicht durch einen schattigen Wald führt, gibt’s mächtig schnell Hitzealarm und Sonnenbrand. Glücklicherweise finden sich häufig am Wegesrand Quellwasserspender, um die Flaschen wieder aufzufüllen.

Innere Einkehr, Du kannst kooooommen!!!

Bis bald, Eure la fortuna vom Caminho Portugués

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Buen Camino! 13 – An Emotional Day

20 km von Calzada nach –> El Cubo de la Tierra del Vino – 31. März 2017

This morning I wake up very late. At 8 a.m. You have to know, that I was going to bed at 10 p.m.! The first thing I do, is to have a look at my WhatsApp.  I like it very much. It’s veeerry nice for communication! The other pilgrim in the albergue, Erik the danish guy, asks me: “Are you reading ‚The Holy Bible‘?” I don’t understand him at first. But then, as he tells me, that it is not good for me, to use the mobile phone at first in the morning. I think, what the hell he’s telling me? Who he thinks he is, my father or what? I am looking for some news from my girlfriend and all the other guys. There are some messages. One of it is so beautiful to read. I am very happy about that. At the same time I receive a picture of a-bottle-of-beer from someone else. I can´t believe that! It is very opportune to the first one… later today on my way I will think a lot about this…

Erik ist schon lange unterwegs. Als ich endlich loswill, regnet es heftig. Aber heute bin ich bestens vorbereitet. Hahaha.  Bald jedoch hört es auf. Und ich bin voll in meinem Element. Fotografieren.

Das Wetter ist Sahne mit Zucker. Die Wolken heute bringen nur das Beste zum Vorschein. Obwohl die Strecke im Laufe des Tages ausschließlich an der Autobahn verläuft, bin ich extrem entzückt von der Natur, die mich umgibt.

Wenn der Wind sanft über die Felder weht und die Sonnenstrahlen auf die Gräser treffen, leuchtet das Grün der Blätter und Halme hell auf. Mein Herz lacht und springt vor Freude… Solche Sätze hätte ich vor 30 Jahren nicht schreiben können. Worte wie ’sanft‘ kamen damals noch nicht über meine Lippen. Die Deutsch-Lehrerin meiner Jugend würde sich bestimmt darüber freuen. Hahaha. Heute kann ich anders und ich bin sehr stolz darauf! In dieser beseelten Freude gelange ich an die vorausgesagte Wasserstelle des Tages. Ohne Wasser alles prima, mit Wasser heißt es Umgehung, zusätzliche 3 km. Auf der anderen Seite sehe ich Erik und rufe ihn, aber er hört mich nicht. Er ist mir also die 3 km voraus.

An einem Tag wie heute macht einfach alles Spaß. Selbst diese Umgehung. Auf dem Weg treffe ich Straßenarbeiter, die mich, wie meist alle Spanier am Weg, freundlichst grüßen und „Buen Viaje“ wünschen. Und immer wieder ist es ein beglückendes Gefühl, wenn zu fremden Menschen plötzlich und unerwartet solche Nähe aufgebaut wird.

Dann wird es Zeit für eine Pause. Die Werbung von gestern verriet, daß hier irgendwo eine Albergue mit Frühstück auf mich wartet. Und tatsächlich. Bald zeigt sich mir das versteckte Kleinod, wo ich mich gut stärken kann, um dann fröhlich weiterzuziehen…

Es ist nicht so, daß ich schwebe. Der Marsch ist durchaus anstrengend für mich. Dabei lassen mich die vielen Fotos, die ich schieße, die Natur intensiv aufsaugen. Aber natürlich kostet das auch viel Zeit. Immer wieder stehenbleiben und das Motiv neu fokussieren. Heute ist es manchmal ein Wettlauf mit der Zeit, das richtige Foto zu schießen. Denn der Wind schiebt die Wolken unaufhörlich vor sich her und verändert damit stetig den Blick auf die Landschaft. Wo eben noch ein sonniges Plätzchen glanzvoll im Licht erstrahlte, ist im nächsten Moment alles im Schatten bedeckt und dunkel. Daher bleibt die Kamera gezückt und der Zoom hilft beim Foto-Sprint 🙂

Dann kommen Gedanken auf, ob des Morgens… I received a message, which is asking me about my camino. I feel different. I am very glad, that the person is thinking about me, but I am wondering: why doesn’t he read the blog? All my answers are there! I know, there is no one, who has to do that.  But I’m sorry, I cannot explain my last 2 weeks in one sentence… And then comes the moment, when I feel that I am in another sphere now. I like hearing or reading news, but not now, while I am assimilating another world. And of course, the others don´t know about my strong feelings at this time.

Today I made nearly 300 pictures of the landscape around me. Why? I felt in love with it! Really. I never felt the same before! At the time I am so overload with my own impressions, there is no place for other things of the world from my family and friends. Not yet… Suddenly, I can feel, how insecure I was during my preparations for the camino. I got a lot of recommendations from friendly people. And I was going prenatal with it, to often! Now I’m feeling much better than ever, I feel a new kind of strength. Yes. So it is…

The guide book for the camino tells me the daily distance to walk. Their recommendations are different. Why? If I follow them, I would have to walk more than 30 km per day! By now I can laugh about that… I like walking less than 20 km! So I have time for breaks, time for photographing the landscape.

It is a very emotional day for me. In the morning I was very late, and I met the hospitaliera Maria again (she came early for cleaning). Fortunately she was veeerry friendly and helpful. She gave me a lot of information about the albergue and the village. I never had sth like that before! But. She seemed to be happy only when she finds some nice comments about herself. It is not enough to tell her about. She needs to read about, to get happy. Why I’m telling that? Because, I feel the same today…

Noch auf dem Weg sende ich Emails an Bekannte, mit dem Hinweis auf den Blog – „bitte Blog lesen“ schreit es förmlich aus mir heraus.

At first, I want to start a campaign, like: Deine Stimme zählt! And I want to tell you, that I’m very happy, if you like reading my blog and telling me what or why. But my second wish is, to be free of this desire. To be free of your vote…

Mitten hinein in diese schweren Gedanken nähere ich mich einer Schafherde. Gerade als ich beschließe, diese zu besuchen, entdecke ich den dazugehörigen Hund. Und mir fällt eine wichtige Begebenheit aus meiner Kindheit ein… wir (Vater, Mutter, Bruder, ich) wandern in den Bergen, irgendwo im Thüringer Wald bei Rotterode, als wir auf eine Schafherde stoßen. Wir nähern uns, weil der Weg dort lang führt, als plötzlich ein Schäferhund auf uns zuschießt. Als ich dessen gewahr werde, renne ich um mein Leben. Erst als ich in einiger Entfernung bin, schaue ich nach den anderen. Da sehe ich, wie mein Vater sich dem Hund in den Weg stellt und uns, seine Familie beschützt. Trotzdem er gebissen wird, bleibt er standhaft und verjagt den Köter. In diesem Moment ist meine Angst vergessen. Voller Erstaunen bin ich stolz auf meinen Vater. Ich zolle ihm bis heute größten Respekt dafür… Heute bin ich schlauer, unterlasse meine Absicht und ziehe weiter meines Weges 😉

Der Tag heute ist aufregend und erschöpfend zugleich. Wildeste Emotionen durchlaufe ich. Meanwhile these thougts I´m finding two nuts under a tree like „Aschenbrödel“. So I´m getting two free wishes, don´t I?

Und tatsächlich, nachdem ich eine Weile unter dem Nußbaum gesessen habe, geht es mir viel besser, ich fühle mich wieder ruhig und ausgeglichen.

Als ich mich etwas befreiter fühle, spüre ich zugleich, daß alles neu begann, als ich Salamanca verließ. Und genau in diesem „denkwürdigen“ Moment drehe ich mich um und sehe, daß ich soeben die Provinzgrenze von Salamanca überschritten habe 😉

Nicht lange danach erreiche ich mein Ziel des Tages… Ich bin noch immer emotional aufgeladen, als ich ankomme. Im Ort gibt es 2 Herbergen. Als ich eine alte Frau frage, antwortet sie mir so oft, daß dies keine „municipal“ ist, sondern „individual“, bis ich endlich reagiere… Welch ein Zufall: Erik der Däne ist schon da! Genau in dieser Herberge. Die Chance stand 50:50 😉 Et kütt wie et kütt. Jetzt freu ich mich über´s Wiedersehen. Zur Begrüßung gibt es Bier und Tapas von den Herbergsleuten. Wow. Das gab es noch nie. Und pünktlich zum Monatsende gibt es den letzten Stempel für die erste Seite im Pilgerpass. 🙂

Heute spüre ich „Hunger nach Alkohol“. Die Bar ist gut aufgestellt. Es gibt ein leckeres und fülliges Peregrino-Menü extra für uns schon um 18 Uhr statt erst um 20 Uhr. Der Brandy schmeckt muy excelente! 😉 This evening we have a good time in the bar of the village. I tell Erik some secrets of my life, he tells me some secrets of his life. I think, sometimes its helpful to talk with a „stranger“… Es ist noch hell, als ich mich auf den Weg ins Bett mache. Draußen spielen Kinder mit einem Ball. Als Korb dient ihnen der Mülleimer. Sie sind mit voller Hingabe im Spiel. Die Szenerie wirkt auf mich und stimmt mich nachdenklich. Wie wenig es braucht, um einfach glücklich zu sein. Ich spüre Melancholie in mir aufkommen. Dann bemerke ich, daß der Ballast des Tages von mir gewichen ist und Glück und Freude in mir wiederkehren. Jetzt ist die richtige Zeit, um mich dem Schreiben zu widmen…

Now I’m feeling fine. Maybe I’m free of your vote… You like reading my blog? Nice. Thumb up! You don’t like reading my blog? That’s a pity 😉 but okay!  Why? Because I like talking or writing about my experiences. The blog will continue. I do it just for myself. Now I’m writing into the OFF…  Hahaha.

For the next fortnight (I like this word) I feel connections to all the other pilgrims at the camino. And so I have to make a cut with my connections on WhatsApp for the next fortnight. I’m following the recommendation of the friendly danish pilgrim. Thank’s Erik.

I’m feeling grateful now, because I am on my way…

Yo soy Jens

PS: die Text-Zeilen in Englisch entstanden an diesem Abend. Irgendwann gegen 2 Uhr fand ich dann endlich Schlaf…